Welche Begleiterkrankungen trage ich in meinem Rucksack namens Leben?
Rucksack Begleiterkrankungen

Welche Begleiterkrankungen trage ich in meinem Rucksack namens Leben?

Wenn du von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen bist, dann kann es möglich sein, dass sich auch noch die ein oder andere Begleiterkrankung einschleicht. Diese kann, wie bei mir, den Autismus überlagern, so dass dieser erstmal nicht erkannt wird. Alternativ können diese Begleiterkrankungen durch falsche Therapien oder Medikationen hinzukommen. Oder du kannst auch einfach Pech gehabt haben. 

Daher möchte ich heute von meinen Begleiterkrankungen berichten, die für mich zusätzliche Herausforderungen sind, aber inzwischen einfach mit dazu gehören. Ich lerne immer besser mit diesen zu leben und möchte dir damit zeigen, dass DU das auch schaffen kannst.  

Aber ACHTUNG, nur weil ich hier eine Erkrankung nenne, heisst das nicht, dass wenn du diese nicht auch hast, dass du dann kein Autist bist oder deswegen doch.  

Jeder hat sein eigenen Rucksack mit unterschiedlichen Begleiterkrankungen und alle erfordern ihre eigene Diagnose bei einem Facharzt! 

Hier ist eine Übersicht von meinen Begleiterkrankungen: 

A – Angst
D – Depressionen
E – Essstörungen
P – Psychosomatische Beschwerden
S – Schlafstörungen
S – Somatische Beschwerden
Z – Zwangserkrankungen 

Dann lass uns einfach einmal anfangen. Meine Begleiterkrankungen sind alphabetisch geordnet und die Reihenfolge entspricht damit nicht der Schwere.

A – Angst

Ich weiss, das kannst du dir gerade vielleicht nicht so vorstellen, wenn du meinen Blog hier liest. Vor allem, weil ich mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen bin. 

Aber ich habe doch vor vielen Dingen Angst.  

Ich mache mir viele Sorgen und manchmal, wenn die Sorgenmaschine in meinem Kopf mal wieder übermütig wird, kommt die ein oder andere Angstattacke zum Vorschein.  

Ich versuche mittlerweile meine Ängste aufzuschreiben. Zu schauen, was mir konkret Angst macht und was denn das Schlimmste daran wäre, wenn dieser Gedanke eintritt. 

Ich versuche darüber zu reden, um vielleicht den ein oder anderen Blickwinkel von meinem Gegenüber zu erhalten, an den ich vielleicht noch nicht gedacht habe.  

Aber meine Ängste kosten Kraft, dennoch muss ich diese akzeptieren. Sie wollen mir etwas sagen, dass ich mich um bestimmte Dinge kümmern muss, so dass ich die Situation vielleicht doch meistern kann. 

D – Depressionen 

Meine Depressionen begleiten mich schon mein halbes Leben lang.  

Sie tauchen dann auf, wenn ich überfordert mit einer Situation bin und Angst vor etwas habe. Das kommt leider recht häufig vor.  

Meine Depression lässt mich traurig werden und daran zweifeln, ob ich denn wirklich das Richtige tue und ob das sinnvoll ist, was ich vorhabe. Dazu raubt sie mir alle Kraft.

Sie taucht immer dann auf, wenn ich einen schwachen Moment habe, wenn ich total gestresst oder beispielsweise in einem Overload oder Shutdown bin.  

Damit macht sie es mir noch schwieriger, wieder zu meinem normalen Ich zu finden. Dieses „Ich“ lebt eigentlich gern, möchte neue Dinge ausprobieren, Kontakte knüpfen und Spass an den Dingen haben, die mir Freude bereiten.  

Inzwischen habe ich mich mit ihr etwas besser arrangiert. Ich nehme sie eher als Warnung auf, dass mich etwas überfordert, was ich unbedingt ansprechen muss.  

Dazu habe ich inzwischen ein Medikament in der richtigen Dosierung, das mir hilft da noch etwas Stabilität in das Ganze zu bringen und nicht zu tief in das Loch zu fallen, dass sich da sonst so aufgetan hat.  

Dazu kommt, dass ich seit der Diagnose mich selber besser akzeptieren kann. Denn ich verstehe jetzt besser warum, ich mit bestimmten Dingen mehr Schwierigkeiten habe als andere. Das hat mir unglaublich geholfen und seitdem ist die Situation für mich merklich besser geworden. 

Ich weiss aber, dass ich für den Rest meines Lebens, immer wieder damit rechnen muss, dass meine Depression wiederkommt und mir Steine in den Weg legen möchte. 

E – Essstörungen 

Die Essstörung ist etwas, was ich definitiv nicht verheimlichen kann. Denn jeder sieht es mir an, dass ich zu viel Gewicht mit mir herumschleppe.  

Ja, ich weiss, dass dafür mehrere Komponenten verantwortlich waren bzw. sind:

  • Zum einen falsch dosierte Medikamente, die mir mein Sättigungsgefühl genommen haben. 
  • Die Depressionen haben natürlich auch einen riesigen Einfluss gehabt, denn Essen tröstet einfach so sehr. Vor allem ungesundes!  
Begleiterkrankung Essstörung
  • Dazu kommt, dass ich durch den Autismus wochenlang immer nur das Gleiche essen könnte – was ich auch teilweise tue. Also so viel zum Thema „ausgewogene“ Ernährung. 
  • Kombiniert mit allen möglichen Nahrungsmittel Allergien, die mir die Freude an Obst und Gemüse genommen haben. Denn, wenn deine Lippe auf die doppelte Grösse anschwillt, nur weil du einen Apfel gegessen hast, dann kann das zwar den Beautydoc sparen, ist aber trotzdem total unangenehm.  

Diese Kombination aus allem macht es schwer. Aber ich bin stolz auf mich, denn seit Ende Mai 2019 habe ich angefangen mich mehr zu bewegen, in dem ich ganz viel spazieren gegangen bin, um Motive für meine Instagram Seite und meine Website zu bekommen. So purzeln ganz langsam ein paar Pfunde.  

P – Psychosomatische Beschwerden 

Manchmal wenn ich nicht wahrhaben möchte, dass gerade mal wieder alles zu viel ist, dann versucht mir mein Körper das auf seine Art und Weise mitzuteilen.  

Dann habe ich Kopfweh, Bauchschmerzen oder eine erhöhte Temperatur und fühle mich, als ob ich eine Grippe bekommen würde. Denn wer wie ich unter psychosomatischen Beschwerden leidet, der verspürt körperliche Symptome, die medizinisch nicht erklärbar sind. 

Wenn ich in so einer Situation zum Arzt gehe und dieser nimmt mir eine Blutprobe ab und ich dann auf dem Papier stehen habe, das meine Werte in Ordnung sind, dann denke ich jedes Mal „Ernsthaft Körper?! Muss das jetzt schon wieder sein?“  

Vor allem führt es dazu, dass ich inzwischen unsicher bin, ab wann ich wirklich zum Arzt gehen sollte oder es besser bleiben lasse. Daher ist es für mich inzwischen auch ein Hinweis, dass ich zu mir schauen muss.

S – Schlafstörungen 

Ja, die Schlafstörungen haben sich erst in den letzten paar Jahren eingeschlichen.  

Es fing an, dass ich nicht einschlafen konnte, weil ich so überreizt war. Oder ich bin mitten in der Nacht aufgewacht ohne erkennbaren Grund und konnte nicht mehr schlafen. 

Alternativ habe ich so realistische (Alb-)Träume, das ich am Morgen aufwache und fix & fertig bin. Vor allem halte ich diese Träume erst einmal für real. Das ist dann ganz schwierig zu unterscheiden, was ist wirklich passiert und was war nur ein Traum.  

Dazu kommt, dass ich mich immer noch an meine Träume erinnern kann. Ich weiss, dass ich damit den Alltag verarbeite, aber schon auf eine sehr schräge Art und Weise.  

S – Somatische Beschwerden 

Auch wenn ich vorhin von psychosomatischen Beschwerden geschrieben habe, habe ich dennoch einige körperliche Beschwerden, die wirklich da sind.  

Wenn ich beispielsweise gestresst bin, dann verkrampft sich meine Muskulatur und ich habe Rückenschmerzen. Dann wechsle ich alle paar Minuten die Sitzposition, weil ich einfach nicht mehr sitzen kann.  

Das stresst mich dann noch mehr, vor allem, weil ich dann kaum noch etwas machen kann an dem Tag, Ich möchte mich dann am liebsten nur noch hinlegen und mit meinem Wärmekissen* kuscheln. 

Z – Zwangserkrankungen  

Zu allem Überfluss habe ich auch noch zwei Zwangserkrankungen: 

Kontrollzwang

Mein Kontrollzwang hat mich früher hundertfach kontrollieren lassen, ob ich denn wirklich die Türe abgeschlossen habe, der Herd aus ist, das Fenster zu ist, etc. Diesen habe ich erst mithilfe vom „magischen Denken“ halbwegs in den Griff bekommen. So kontrolliere ich heute genau 12x, ob ich meine Wohnungstüre abgeschlossen habe und kann dann gehen.  

Warum genau 12x?  

Nun, man sagt doch so schön „Alle guten Dinge sind drei.“  

Daher nehme ich 3 x 3 + noch einmal zusätzlich 3 Kontrollen, um wirklich ganz sicher zu sein, dass die Türe jetzt auch ganz wirklich abgeschlossen ist.  

Dafür kann ich dann auch einfach weggehen und kontrolliere nicht mehr so lange wie früher.  

Waschzwang

Dann habe ich noch einen Waschzwang. Durch diesen kann ich bestimmte Gegenstände nicht anfassen ohne mir danach die Hände waschen zu müssen. So habe ich Mühe mit Türklinken, Bargeld oder Beispielswiese Haltestangen In der Bahn oder generell Gegenstände, die von vielen Menschen berührt werden. 

Begleiterkrankung Waschzwang

Glaube mir, dass macht das Leben ganz schön kompliziert und schränkt ein. Daher siehst du mich so gut wie nie, ohne lange Ärmel oder meine Desinfektionsmittel.  

Meine Begleiterkrankungen gehören jetzt halt einfach dazu

Ja, alle diese Begleiterkrankungen, die ich hier aufgezählt habe, können sehr einschränkend sein. Jede braucht ihre eigene Aufmerksamkeit und Fürsorge. Dazu eine bessere Planung meinerseits und ein Haufen Verständnis von meinem Umfeld. Aber sie machen mich auch zu dem Menschen, der ich heute bin.  

Ich lerne mit all diesen Einschränkungen zu leben und Wege für mich zu finden, dass es mir gut geht. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Tage. Wer mich gut kennt, kann es mir anmerken, wenn es mir nicht gut geht, auch wenn ich versuche das nicht zu zeigen.  

Aber sie gehören halt einfach zu mir dazu.
Ich kann es nicht ändern.
Ich kann nur versuchen, damit leben zu lernen und Strategien zu finden, dass mein Rucksack nicht noch schwerer wird.

Volle Transparenz: Dieser Artikel enthält werbende Inhalte zu meinen Produkten und/oder Werbe-Links zu Produkten, die ich nutze und liebe. Letzteres erkennst Du am * nach dem Link. Ich wurde in keinem Fall von Unternehmen oder Produkt-Anbietern dafür bezahlt, sie einzubinden!

Geschrieben von
pinkspektrum
Schreib mir gern einen Kommentar

1 Shares
Pin1
Tweet
Share
Email
WhatsApp