Neurodiversitäts-Programme – yay oder nay?
Neurodiversitäts-Programme – yay oder nay?

Neurodiversitäts-Programme – yay oder nay?

Immer mehr Firmen erkennen die Stärken von Autisten an und wollen durch gezielte Neurodiversitäts-Programme diese einstellen. Damit sie mit der richtigen Unterstützung und Förderung, ihre wahren Potentiale ausleben und somit einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg beisteuern können.

Das hört sich erstmal nach einer wunderbaren Sache an – aber wo ist der Haken?

Ich möchte dir gern in den folgenden Abschnitten meine Gedanken zu dieser Art an Einstellungsprogrammen mitgeben. Damit du den ein oder anderen Denkanstoss erhältst, wie du ein Einstellungsprogrammen für Autisten etablieren könntest. Vor allem, möchte ich dich auf ein paar Fallen, die ein solches Programm beinhalten kann, hinweisen, damit du da nicht hineintappst.

Klären wir erstmal ein paar Grundbegriffe:

Neurodiversität – ein Konzept, in dem neurobiologische Unterschiede als eine menschliche Disposition unter anderen angesehen und respektiert werden; atypische neurologische Entwicklungen werden als natürliche menschliche Unterschiede eingeordnet s. Wikipedia Artikel: Neurodiversität

Inklusion – beschreibt in der Soziologie den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft s. Wikipedia Artikel: Inklusion

Warum diese „Mission“ gut kommuniziert werden muss

Solche Einstellungsprogramme fördern die Neurodiversität und Inklusion im eigenen Unternehmen. Das ist etwas ganz Wertvolles, da sich dadurch die anderen Mitarbeiter mit dieser, ich nenne es jetzt mal „Mission“ identifizieren können.

Dazu bedarf es einer guten Kommunikation in der Vorbereitung, aber auch in der Begleitung aller Mitarbeiter. Damit diese verstehen können, warum die eigene Firma so viel Wert auf Neurodiversität & Inklusion setzt und worin die Vorteile bestehen.

Vorteile eines Neurodiversitäts-Programms:

  • Das Unternehmen schätzt die Vielfalt und das jeder Mensch – egal ob Autist oder nicht – seine Stärken und Fähigkeiten einbringt. Das setzt ein wichtiges Zeichen für alle anderen Angestellten und sollte nicht unterschätzt werden.
  • Menschen, die sonst auf dem 1. Arbeitsmarkt eventuell keine Perspektive hätten, bekommen diese und erhalten dazu eine wertschätzende Aufgabe und Beschäftigung.
  • Die Konzentration liegt auf den Stärken des einzelnen Mitarbeiters und die Herausforderungen eines autistischen Mitarbeiter werden durch gezielte Hilfen gemildert.
  • Das Unternehmen erhält durch die Einstellung von Autisten beispielsweise neue Denkweisen und kann von der detaillierten Wahrnehmung oder den Spezialinteressen profitieren.
  • Die Kommunikation und Abläufe im Alltag werden strukturierter, da diese Strukturen zwingend notwendig sind, damit Autisten sich voll und ganz einbringen können.

Nun, was denkst du? Hört sich das nicht gut an? Auf menschlicher bzw. sozialer Ebene wandelt sich das Unternehmen. Zudem wird das Unternehmen strukturierter und damit auch effizienter. Dazu bekommt man gratis obendrauf eine andere Wahrnehmung, sowie in den meisten Fällen auch eine andere Lebenserfahrung. Schliesslich ist eine Autismus Diagnose doch sehr einschneidend, diese kann aber weitere Blickwinkel auf das Leben an sich mitbringen.

Was musst du bei einem Neurodiversitäts-Programms beachten?

Aber natürlich gibt es auch einige Dinge, die es beim Aufsetzen eines Neurodiversitäts-Programms zu bedenken gilt. Nachfolgend möchte ich dir ein paar Dingen nennen, denen du unbedingt Beachtung schenken solltest:

Überzeugungsarbeit muss geleistet werden

Es kostet Zeit und Arbeit. Vor allem erst einmal Überzeugungsarbeit in den Chefetagen, sowie bei den Team Leads und anderen Mitarbeitern. Das ist nicht zu unterschätzen, da einfach zu viele Menschen Vorurteile über Autisten im Kopf haben, ich sage nur „Rainman“.

Autisten sind nicht nur Programmierer oder Software Tester!

Gerade diese Vorurteile machen es schwer. Es gibt eben nicht nur weisse, männliche Autisten, die die ganze Zeit vor dem Rechner sitzen und kaum kommunizieren können.

Da besteht für mich ganz klar die Gefahr, das sich die Rekrutierung eben nur auf diese konzentriert.

Dabei ist das Spektrum so breit. Es reicht von Autisten, die nicht kommunizieren können, bis zu Menschen die mehrere Doktortitel haben. Dazwischen ist jegliche Ausprägung möglich. Demnach gibt es unglaubliche viele Einsatzbereiche für Autisten. Es sind also nicht nur immer Programmierer.

Aus diesem Grund, ist es so wichtig um die Ecke zu denken: Wo kann man beispielsweise die Detailwahrnehmung ebenfalls gebrauchen? Oder das Spezialinteresse – was übrigens alles mögliche sein kann – verwenden?

Ein weiterer wichtiger Fakt: Frauen können auch im Autismus-Spektrum sein! Das geht leider auch noch sehr oft unter. Wenn man das aber weiss, eröffnet sich eine ganz neue Zielgruppe für die Rekrutierung.

Prozesse müssen überdacht werden

Dazu müssen bestehende Prozesse überdacht werden, wie z.B bei der Rekrutierung. Denn ein Autist kann sich nicht unbedingt immer gut verkaufen. Da muss das HR umdenken, wie man denn trotzdem herausfindet, ob der Kandidat zu einem passt.

Auch die Einarbeitung, nach Vertragsunterzeichnung gestaltet sich vielleicht etwas anders und auch die räumlichen Bedingungen müssen eventuell angepasst werden, so dass sich ein Autist wohlfühlen und vor allem konzentrieren kann. Stichwort: Reizüberflutung.

Zwischenmenschlich gibt es einiges zu tun..

Das Unternehmen muss ebenfalls lernen mit Menschen umzugehen, die sehr gerade aussagen, was sie denken. Da Autisten zu einer unbestechlichen Ehrlichkeit neigen. Da kann es auch schon mal passieren, dass dir dein autistisches Gegenüber sagt, dass die Krawatte nicht passt oder der Prozess nicht optimal ist.

Das sind dann Herausforderungen auf der zwischenmenschlichen Ebene, die zusammen gemeistert werden müssen.

Fazit

Alles in allem, kann ein Neurodiversitäts-Programm eine Bereicherung für das Unternehmen sein. Ich erhoffe mir, dass immer mehr Unternehmen diesen Mehrwert erkennen und den Mut haben, solche Programme ins Leben zu rufen. Hier habe ich ein paar Beispiele von Unternehmen gefunden, die aus Worten bereits Taten gemacht haben:

Wie du es raushören kannst, ich wünsche mir mehr solche Initiativen. Ich werde mein Bestes geben, Artikel mit meinen besten Tipps & Tricks zu verfassen, die eine erfolgreiche Neurodiversität & Inklusion im Unternehmen möglich machen. Frei von den üblichen Vorurteilen und mit ganz vielen Chancen für Menschen, deren Nichtnutzung der Fähigkeiten eine Schande wäre.

Daher habe Mut neue Wege zu gehen.

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Geschrieben von
pinkspektrum
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